Online-Lebenslauf ohne eingescannte Unterschrift: So reagieren DAX-Unternehmen

Vor einigen Wochen hat Frau Alexandra Wenzig, Bewerbungsexpertin bei der Online-Jobbörse StepStone, in einem lesenswerten Presse-Interview zum Thema Stolperfallen der Online-Bewerbung die Empfehlung ausgesprochen, dass der Online-Lebenslauf mit einer eingescannten Unterschrift signiert werden sollte.

Was bedeutet es für einen Bewerber bzw. einer Bewerberin, wenn die Unterschrift im Online-Lebenslauf fehlt? Ist das Fehlen der Unterschrift am Ende gar ein K.O.-Kriterium im Bewerbungsprozess?

Bedeutet eine nicht eingescannte Unterschrift im Online-Lebenslauf das AUS für den Bewerber?


Aus meinen Erfahrungen und aus Gesprächen mit diversen Experten weiss ich, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen eine fehlende Unterschrift im Online-Lebenslauf nicht als K.O.-Kriterium ansehen, da es sich die Unternehmen auch gar nicht leisten können, einen guten Kandidaten nur aufgrund einer nicht eingescannten Unterschrift auszusortieren.

Aber: Wie sieht es bei den Unternehmen in Deutschland aus, bei denen jährlich tausende von Bewerbungen eingehen? Sortieren diese Unternehmen einen Bewerber gleich aus, wenn der Online-Lebenslauf nicht mit einer Unterschrift versehen ist? Sie könnten es sich doch aufgrund der Vielzahl der Bewerber leisten und würde durch die Vorabselektion auch gleich Ressourcen sparen.

Ich wollte es genauer wissen und habe die DAX-Unternehmen um ein Feedback bezüglich folgender Fragestellung gebeten: Ist es bei Ihnen im Unternehmen ein K.O.-Kriterium, wenn ein Bewerber seinen Online-Lebenslauf nicht mit einer eingescannten Unterschrift signiert hat?

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Antworten der DAX-Unternehmen

Nachfolgend finden Sie die eingegangenen Antworten in alphabetischer Reihenfolge:

“Für uns ist entscheidend, dass die Bewerbungsunterlagen korrekt und aussagekräftig sind und einen lückenlosen Lebenslauf enthalten – eine eingescannte Unterschrift ist dabei kein Ausschlusskriterium.Wir möchten einen Kandidaten vor allem aufgrund seiner Qualifikation und Begeisterung für den Sport und unser Unternehmen kennenlernen.”
Sara Sikora, adidas AG, Corporate Communication

“Wir haben mit SAP-E-Recruting ein elektronisches Bewerbungsverfahren im Einsatz, bei dem die Bewerber/innen zusätzlich zu einem ausgefüllten elektronischen Fragebogen auch CV und ggf. Anschreiben sowie Zeugnisse mitschicken können. Von unserer Seite wird es nicht negativ ausgelegt, wenn keine eingescannte Unterschrift auf dem CV enthalten ist. Die Bewerber /innen schicken aber teilweise persönliche, unterschriebene Anschreiben mit, die sich auf die spezielle Ausschreibung beziehen.”
Renate Weber, Referatsleiterin Personalbetreuung, Allianz Deutschland AG

“Nein, eine fehlende Unterschrift ist kein K.O.-Kriterium. Viel wichtiger ist uns die fachliche Spezialisierung der Bewerber – und natürlich ihre Persönlichkeit.”
Nina Paulus, European Recruiting, BASF

„Nein, es ist bei Bayer kein K.O.-Kriterium, wenn Bewerber ihren Online-Lebenslauf nicht mit der eingescannten Unterschrift versehen haben.“
Elke Ickenstein, Personal/Sozialpolitik, Pressesprecherin, Bayer AG

„Im Zeitalter des modernen E-Recruitings ist diese Frage für uns nicht mehr von großer Bedeutung. Wer sich bei Beiersdorf bewirbt, kann seinen Lebenslauf online in unserem Karriere-Center direkt eingeben und muss dabei nichts unterschreiben. Wenn ein Lebenslauf im pdf-Format mitschickt wird, ist eine Unterschrift natürlich sinnvoll – aber ein K.O.-Kriterium ist das nicht.“
Christoph Fellinger, Verantwortlich für das Personalmarketing, Beiersdorf AG

“Wir berücksichtigen auch Online-Lebensläufe, die keine eingescannte Unterschrift enthalten.”
Melanie Loriz, Pressesprecherin, Commerzbank AG, Group Communications, Fachbereich Externe Kommunikation

“Grundsätzlich ist für uns ist das Gesamtprofil eines Kandidaten entscheidend. Eine fehlende Unterschrift im Online-Lebenslauf ist bei Daimler kein Ausschlusskriterium.”
Dirk Clemens, Leiter Recruiting & Administration Services, Daimler AG

“Nein,es ist kein K.O.-Kriterium”.
Dr. Frank Herkenhoff, Executive Director, Head of Media Relations, Deutsche Börse AG

Bei der Deutschen Post DHL sind Online-Bewerbungen auch ohne eingescannte Unterschrift möglich.Viele Anschreiben enthalten heute jedoch eine Unterschrift. “Wir behandeln alle Bewerbungen gleich, egal ob das Anschreiben eine eingescannte Unterschrift enthält oder nicht”, sagt Dieter Pietruck, Pressesprecher der Deutschen Post DHL.

“Nein, dies sehen wir nicht als KO-Kriterium an. Wir setzen bei einem Online-C.V. inhaltlich die gleichen Maßstäbe wie bei einer Papierversion an, jedoch werden die relevanten Lebenslauf-Daten(Stationen, Erfahrungen etc.) längst komplett systembasiert via Datenbankfelder abgefragt. D.h. ein Online-C.V. als pdf ist eine Ergänzung, die aber keinesfalls bei jeder relevanten Bewerbung vorliegt. Somit macht es zwar Anschreiben& Lebenslauf komplett. Viel wichtiger sind jedoch die Inhalte der Vita sowie die Tatsache, dass der Kandidat im Interview persönlich und fachlich überzeugt.”
Jens Plinke, Employer Branding Manager, Henkel

„Eine eingescannte Unterschrift ist bei MAN zwar kein K.O.-Kriterium, aber durchaus wünschenswert.“
Dominique Nadelhofer, Pressesprecher, MAN SE, Media Relations

“Eine fehlende eingescannte Unterschrift im Online-Lebenslauf spielt bei uns keine Rolle. Entscheidend ist, dass die Qualität des Lebenslaufs top ist.”
Markku Klingelhöfer, Leiter Employer Branding & Talent Acquisition bei Merck in Darmstadt.

„Es kommt uns bei RWE vor allem auf die Qualifikation des Bewerber/der Bewerberin an. Natürlich sollten die Unterlagen – egal ob in papierform oder online – einen guten Eindruck machen. Eine fehlende Unterschrift ist aber sicher kein k.o.-Kriterium, wenn der Kandidat ansonsten zur Stelle und zu unserem Unternehmen passt.“
Brigitte Lambertz, RWE Aktiengesellschaft, Konzernpresse/Group Press Relations

“Unser Ziel ist es, freie Stellen mit den besten Kandidaten zu besetzen. Ob jemand grundsätzlich für eine offene Stelle in Frage kommen könnte, entscheiden wir zunächst einmal anhand des Qualifikationsprofils einer Bewerberin oder eines Bewerbers. Ein automatisches Ausschlusskriterium ist die fehlende eingescannte Unterschrift daher nicht.”
Michael Friedrich, Siemens AG, Corporate Communications and Government Affairs, Business and Financial Press

“Wir bekommen Lebensläufe sowohl ohne Unterschrift als auch mit digitaler Unterschrift. Im Mobile Recruiting beispielsweise bewerben sich die Kandidaten über unsere App „Jobs&More“ nur noch per Link auf das persönliche Online-Profil direkt bei uns – das alles ist möglich im digitalen Zeitalter.”
Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Recruiting & Talent Service, Telekom

Darum sollten Bewerber dennoch Ihren Online-Lebenslauf unterschreiben

Obwohl es bei TOP-Unternehmen wie die hier aufgeführten DAX-Unternehmen anscheinend auch kein K.O.-Kriterium ist, wenn der Online-Lebenslauf nicht mit einer eingescannten Unterschrift signiert ist, sollten Bewerber dennoch nicht auf die Unterschrift verzichten! Auf meine Anfrage hin gibt die Bewerbungsexpertin Frau Alexandra Wenzig allen Bewerbern noch folgende Anregung mit auf den Bewerbungs-Weg:

„Eine fehlende Unterschrift auf dem digitalen Lebenslauf wird für qualifizierte Bewerber mit einer prinzipiell ordentlich gestalteten Bewerbung niemals ein K.O.-Kriterium sein. Wir empfehlen die digitale Unterschrift dennoch, denn der Bewerber zeigt seinem potentiellen Arbeitgeber damit, dass er Mühen auf sich genommen hat und technisch sehr sorgfältig arbeitet, zudem gibt er der Bewerbung eine persönliche Note und sticht aus der Masse heraus.“

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LESETIPP:
Das macht eine gute Online-Bewerbung aus – Kriterien einer erfolgreichen Bewerbung

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