Vor einigen Wochen hat Frau Alexandra Wenzig, Bewerbungsexpertin bei der Online-Jobbörse StepStone, in einem lesenswerten Presse-Interview zum Thema Stolperfallen der Online-Bewerbung die Empfehlung ausgesprochen, dass der Online-Lebenslauf mit einer eingescannten Unterschrift signiert werden sollte.
Was bedeutet es für einen Bewerber bzw. einer Bewerberin, wenn die Unterschrift im Online-Lebenslauf fehlt? Ist das Fehlen der Unterschrift am Ende gar ein K.O.-Kriterium im Bewerbungsprozess?
Bedeutet eine nicht eingescannte Unterschrift im Online-Lebenslauf das AUS für den Bewerber?
Aus meinen Erfahrungen und aus Gesprächen mit diversen Experten weiss ich, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen eine fehlende Unterschrift im Online-Lebenslauf nicht als K.O.-Kriterium ansehen, da es sich die Unternehmen auch gar nicht leisten können, einen guten Kandidaten nur aufgrund einer nicht eingescannten Unterschrift auszusortieren.
Aber: Wie sieht es bei den Unternehmen in Deutschland aus, bei denen jährlich tausende von Bewerbungen eingehen? Sortieren diese Unternehmen einen Bewerber gleich aus, wenn der Online-Lebenslauf nicht mit einer Unterschrift versehen ist? Sie könnten es sich doch aufgrund der Vielzahl der Bewerber leisten und würde durch die Vorabselektion auch gleich Ressourcen sparen.
Ich wollte es genauer wissen und habe die DAX-Unternehmen um ein Feedback bezüglich folgender Fragestellung gebeten: „Ist es bei Ihnen im Unternehmen ein K.O.-Kriterium, wenn ein Bewerber seinen Online-Lebenslauf nicht mit einer eingescannten Unterschrift signiert hat?“
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LESETIPP:
Experten schätzen, dass ca. 70% aller verfügbaren Stellen gar nicht oder zumindest nicht zu Beginn öffentlich ausgeschrieben werden. So finden Sie einen neuen Job auf dem versteckten Arbeitsmarkt.
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Antworten der DAX-Unternehmen
Nachfolgend finden Sie die eingegangenen Antworten in alphabetischer Reihenfolge:
- adidas
- Allianz
- BASF
- Bayer
- Beiersdorf
- Commerzbank
- Daimler
- Deutsche Börse
- Deutschen Post DHL
- Henkel
- MAN
- Merck
- RWE
- Siemens
- Telekom
“Für uns ist entscheidend, dass die Bewerbungsunterlagen korrekt und aussagekräftig sind und einen lückenlosen Lebenslauf enthalten – eine eingescannte Unterschrift ist dabei kein Ausschlusskriterium.Wir möchten einen Kandidaten vor allem aufgrund seiner Qualifikation und Begeisterung für den Sport und unser Unternehmen kennenlernen.”
Sara Sikora, adidas AG, Corporate Communication
“Wir haben mit SAP-E-Recruting ein elektronisches Bewerbungsverfahren im Einsatz, bei dem die Bewerber/innen zusätzlich zu einem ausgefüllten elektronischen Fragebogen auch CV und ggf. Anschreiben sowie Zeugnisse mitschicken können. Von unserer Seite wird es nicht negativ ausgelegt, wenn keine eingescannte Unterschrift auf dem CV enthalten ist. Die Bewerber /innen schicken aber teilweise persönliche, unterschriebene Anschreiben mit, die sich auf die spezielle Ausschreibung beziehen.”
Renate Weber, Referatsleiterin Personalbetreuung, Allianz Deutschland AG
“Nein, eine fehlende Unterschrift ist kein K.O.-Kriterium. Viel wichtiger ist uns die fachliche Spezialisierung der Bewerber – und natürlich ihre Persönlichkeit.”
Nina Paulus, European Recruiting, BASF
„Nein, es ist bei Bayer kein K.O.-Kriterium, wenn Bewerber ihren Online-Lebenslauf nicht mit der eingescannten Unterschrift versehen haben.“
Elke Ickenstein, Personal/Sozialpolitik, Pressesprecherin, Bayer AG
„Im Zeitalter des modernen E-Recruitings ist diese Frage für uns nicht mehr von großer Bedeutung. Wer sich bei Beiersdorf bewirbt, kann seinen Lebenslauf online in unserem Karriere-Center direkt eingeben und muss dabei nichts unterschreiben. Wenn ein Lebenslauf im pdf-Format mitschickt wird, ist eine Unterschrift natürlich sinnvoll – aber ein K.O.-Kriterium ist das nicht.“
Christoph Fellinger, Verantwortlich für das Personalmarketing, Beiersdorf AG
“Wir berücksichtigen auch Online-Lebensläufe, die keine eingescannte Unterschrift enthalten.”
Melanie Loriz, Pressesprecherin, Commerzbank AG, Group Communications, Fachbereich Externe Kommunikation
“Grundsätzlich ist für uns ist das Gesamtprofil eines Kandidaten entscheidend. Eine fehlende Unterschrift im Online-Lebenslauf ist bei Daimler kein Ausschlusskriterium.”
Dirk Clemens, Leiter Recruiting & Administration Services, Daimler AG
“Nein,es ist kein K.O.-Kriterium”.
Dr. Frank Herkenhoff, Executive Director, Head of Media Relations, Deutsche Börse AG
Bei der Deutschen Post DHL sind Online-Bewerbungen auch ohne eingescannte Unterschrift möglich.Viele Anschreiben enthalten heute jedoch eine Unterschrift. “Wir behandeln alle Bewerbungen gleich, egal ob das Anschreiben eine eingescannte Unterschrift enthält oder nicht”, sagt Dieter Pietruck, Pressesprecher der Deutschen Post DHL.
“Nein, dies sehen wir nicht als KO-Kriterium an. Wir setzen bei einem Online-C.V. inhaltlich die gleichen Maßstäbe wie bei einer Papierversion an, jedoch werden die relevanten Lebenslauf-Daten(Stationen, Erfahrungen etc.) längst komplett systembasiert via Datenbankfelder abgefragt. D.h. ein Online-C.V. als pdf ist eine Ergänzung, die aber keinesfalls bei jeder relevanten Bewerbung vorliegt. Somit macht es zwar Anschreiben& Lebenslauf komplett. Viel wichtiger sind jedoch die Inhalte der Vita sowie die Tatsache, dass der Kandidat im Interview persönlich und fachlich überzeugt.”
Jens Plinke, Employer Branding Manager, Henkel
„Eine eingescannte Unterschrift ist bei MAN zwar kein K.O.-Kriterium, aber durchaus wünschenswert.“
Dominique Nadelhofer, Pressesprecher, MAN SE, Media Relations
“Eine fehlende eingescannte Unterschrift im Online-Lebenslauf spielt bei uns keine Rolle. Entscheidend ist, dass die Qualität des Lebenslaufs top ist.”
Markku Klingelhöfer, Leiter Employer Branding & Talent Acquisition bei Merck in Darmstadt.
„Es kommt uns bei RWE vor allem auf die Qualifikation des Bewerber/der Bewerberin an. Natürlich sollten die Unterlagen – egal ob in papierform oder online – einen guten Eindruck machen. Eine fehlende Unterschrift ist aber sicher kein k.o.-Kriterium, wenn der Kandidat ansonsten zur Stelle und zu unserem Unternehmen passt.“
Brigitte Lambertz, RWE Aktiengesellschaft, Konzernpresse/Group Press Relations
“Unser Ziel ist es, freie Stellen mit den besten Kandidaten zu besetzen. Ob jemand grundsätzlich für eine offene Stelle in Frage kommen könnte, entscheiden wir zunächst einmal anhand des Qualifikationsprofils einer Bewerberin oder eines Bewerbers. Ein automatisches Ausschlusskriterium ist die fehlende eingescannte Unterschrift daher nicht.”
Michael Friedrich, Siemens AG, Corporate Communications and Government Affairs, Business and Financial Press
“Wir bekommen Lebensläufe sowohl ohne Unterschrift als auch mit digitaler Unterschrift. Im Mobile Recruiting beispielsweise bewerben sich die Kandidaten über unsere App „Jobs&More“ nur noch per Link auf das persönliche Online-Profil direkt bei uns – das alles ist möglich im digitalen Zeitalter.”
Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Recruiting & Talent Service, Telekom
Darum sollten Bewerber dennoch Ihren Online-Lebenslauf unterschreiben
Obwohl es bei TOP-Unternehmen wie die hier aufgeführten DAX-Unternehmen anscheinend auch kein K.O.-Kriterium ist, wenn der Online-Lebenslauf nicht mit einer eingescannten Unterschrift signiert ist, sollten Bewerber dennoch nicht auf die Unterschrift verzichten! Auf meine Anfrage hin gibt die Bewerbungsexpertin Frau Alexandra Wenzig allen Bewerbern noch folgende Anregung mit auf den Bewerbungs-Weg:
„Eine fehlende Unterschrift auf dem digitalen Lebenslauf wird für qualifizierte Bewerber mit einer prinzipiell ordentlich gestalteten Bewerbung niemals ein K.O.-Kriterium sein. Wir empfehlen die digitale Unterschrift dennoch, denn der Bewerber zeigt seinem potentiellen Arbeitgeber damit, dass er Mühen auf sich genommen hat und technisch sehr sorgfältig arbeitet, zudem gibt er der Bewerbung eine persönliche Note und sticht aus der Masse heraus.“
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LESETIPP:
Das macht eine gute Online-Bewerbung aus – Kriterien einer erfolgreichen Bewerbung


Kommentare
howdy
@Christian , Wow, was für eine Fleißarbeit die ganzen Antworten einzuholen! Top! Ich begrüße es weiterhin, dass bei so vielen Firmen eine fehlende Unterschrift im Lebenslauf kein Ausschlusskriterium ist. Das ist nur fair!
cheers
–
Na Gott sei Dank. Ich dachte schon ich muss jetzt immer meine Unterschrift einscannen und die irgendwie auf mein Anschreiben bringen. Aber wie einige Unternehmen schon richtig gesagt haben, ist es bei einer Online-Bewerbung übr ein Portal ja gar nicht möglich die Unterschrift einzufügen. Es kam bei mir schon vor, dass ich mein Anschreiben in ein Feld (so wie hier das Kommentar) schreiben musste.
auf die Idee wär ich im Leben nicht gekommen: CV ausdrucken unterschreiben und wieder einscannen?
Mir persönlich erschließt sich der Sinn dahinter nicht. Massenbewerbungen per Email verhindert man damit auch nicht, denn der CV wird dann auch nur einmal erstellt und kann beliebig oft versandt werden. Wenn ich also elektronische Bewerbungen zulasse, sollte ich auch die entsprechenden damit einhergehenden Änderungen in der äußeren Form akzeptieren.
Anders ist es bei einem persönlichen Anschreiben, bei dem ich wirklich sehen kann, dass die Bewerbung genau für mich gemacht wurde und nicht hundertfach verschickt wird.
und natürlich will jeder ordentliche Unterlagen bekommen. Aber mich hinsetzen und aussortieren: die sind mit Unterschrift und die ohne würde ich nie machen – ganz ehrlich: da verpasse ich ja genau die Kandidaten, die sich auf das wesentliche konzentrieren und lasse die in der engeren Auswahl, die sich an Nebensächlichkeiten aufhalten.
Viele Grüße,
Susanna
Für alle die nun denken bei jedem Lebenslauf bzw. Anschreiben die Unterschriften extra einscannen zu müssen. Es gibt auch die Möglichkeit die Unterschrif einmal einzuscannen und diese dann als Grafikdatei in das Textdokument einzufügen. Dann muss man nichts mehr einscannen.
Ich wäre allerdings nicht auf die Idee gekommen, die Unterschrift nicht auf die digitalen Lebensläufe anzufügen, denn das verleiht der Bewerbung eine ganz persönliche Note und der Personaler sieht auch, dass man sich Mühe gemacht hat.
Auch wenn das vielleicht die DAX-Unternehmen nicht interessiert, das sagen zumindest deren Sprechern, ist es doch immer die individuelle Meinung des Lesers, ob die Unterschrift gern gesehen ist oder nicht. Für mich gibt es jedenfalls nur eine Alternative: Unterschrift drauf und gut ists.
Danke für den informativen Test. Ich fand es sehr interessant die Antworten der Unternehmen zu lesen. Ich habe mir zwar bereits beim Titel gedacht das dieses Ergebnis ähnlich ausfallen wird aber das quasi alle auf die digitale Signierung pfeifen hätte ich dann doch nicht gedacht.
Da der Aufwand so niedrig ist sollte man es in jedem Fall tun bei einer Onlinebewerbung imho
Sehr schön, dass du dir die Mühe gemacht hast, diesen Umstand zu testen.
Ich bin privat auch als Bewerbungshelferin zugange und empfehle meinen “Klienten” immer, auch zu unterschreiben. Es MUSS nicht sein – aber es kommt gut, wenn eine Unterschrift da ist. Zum einen, weil man so ein Stück Charakter eines Menschen übermittelt bekommt (mal ganz abgesehen von Schriftanalysen, die es aber auch gibt), das Anschreiben ist dann nicht mehr nur Blockschrift und ein Bild, sondern wird persönlich. Außerdem zeigt die Eingescannte Unterschrift, dass sich bei der Bewerbung Mühe gegeben wurde und sich jemand Gedanken gemacht hat – ebenfalls ein Plus Punkt