Team Hunting, das sollten Sie wissen – Interview mit einem erfahrenen Personalberater

Paul Pleus

Paul Pleus

In meinem heutigen Interview spreche ich mit dem erfahrenen Personalberater Paul Pleus über das Thema „Team Hunting“ und die damit verbundenen Vorteile für Unternehmen und Bewerber, die Herausforderungen für Headhunter und vieles mehr.

Hallo Herr Pleus, bitte stellen Sie sich meinen Lesern vor!
Mein Name ist Paul Pleus, ich bin Diplom Kaufmann und lebe im wunderschönen Emsland. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Osnabrück habe ich mehr als 15 Jahre internationale Führungserfahrung in verschiedenen Leitungsfunktionen in den Bereichen Vertrieb, Finanzen, IT und dem Multiprojektmanagement sammeln können.

Bevor ich mich als Personalberater selbständig gemacht habe, war ich verantwortlicher Programmdirektor für ein internationales Großprojekt mit weltweit mehr als 1.000 Mitarbeitern und Interim Managern. Im Jahr 2008 gründete ich das Unternehmen International Executive Recruiting – IER, das auf die Vermittlung von nationalen und internationalen Fach- und Führungskräften spezialisiert ist.

In XING moderiere ich die Gruppe International Executive Recruiting – IER mit ca. 15.000 Mitgliedern (Personaler, Personalberater und Headhunter) zum Thema Recuiting. Über weitere Mitglieder und Kontakte in XING würde ich mich freuen.

Was sind die größten Vorteile des Team Huntings für Unternehmen und Bewerber?
Spezielle Unternehmenssituationen erfordern von Unternehmen eine möglichst kurzfristige Reaktion, um den Marktanforderungen zu entsprechen oder die Position am Markt zu verbessern.

Für die erforderliche Reaktion fehlen meist das nötige Fachwissen und die Ressourcen. Um diese Lücken kurzfristig zu schließen, eignet sich besonders das Team Hunting, da hiermit ein sofort arbeitsfähiges Team gewonnen und eingesetzt werden kann.

Um welche Unternehmenssituationen kann es hier gehen?

  • Aufbau neuer Geschäftsfelder, insbesondere unter zeitlichem Druck
  • Bedienung neuer Branchen, für die das Know How im eigenen Unternehmen fehlt
  • Schließen einer Lücke zu den Wettbewerbern, z.B. hinsichtlich von Vertriebsstrategien oder Produktentwicklungen

Der zentrale Vorteil des Team Huntings ist der kurzfristige Erwerb, direkt einsatzfähiger, erprobter Fähigkeiten.
Im Vergleich hierzu bringt die ausschließliche Beschaffung einer neuen Führungskraft (über Direct Search) den Nachteil mit sich, dass um diese Führungskraft eine neue Einheit aufgebaut werden muss, welches zeitliche Nachteile und höhere Anlaufkosten mit sich bringt.

Auch gern verglichen wird die Methode des „Team Huntings“ mit dem Erwerb von ganzen Unternehmen (M&A), bei dem auch Produkte/ Dienstleistungen übernommen und bezahlt werden müssen, die für das aufnehmende Unternehmen uninteressant sind. Außerdem liegt diese Übernahme – im Gegensatz zu einer Übernahme durch Team Hunting – nicht unbedingt im Interesse der Arbeitnehmer, was sich auf deren Leistung/ Abwanderungsbemühungen niederschlagen wird.

Für den Bewerber, der sich nicht ausgefüllt fühlt in seiner Tätigkeit, bzw. dem die Marktlage des Arbeitgebers Sorgen bereitet, bringt das Team Hunting den Vorteil, dass der Mitarbeiter trotz neuen Arbeitsverhältnisses im vertrauten Team, mit dem eine reibungslose Zusammenarbeit etabliert ist, weiterarbeiten kann.

Was sind beim Team Hunting die größten Herausforderungen für einen Headhunter?
Im Rekrutierungsprozeß selbst ist wahrscheinlich noch mehr Fingerspitzengefühl gefragt, als bei der klassischen Vorgehensweise der Personalrekrutierung. Über die zunächst angesprochene Führungskraft erfolgt die Recherche, welche Teammitglieder ebenfalls angesprochen werden sollen. Nun muss versucht werden, alle individuellen Interessen so zu vereinbaren, dass für das gesamte Team zufriedenstellende Individuallösungen (Arbeitsverträge) gefunden werden.

Hierbei sind auf jeden Fall auch rechtliche Rahmenbedingungen (Konkurrenzklausel, Wettbewerbsverbote,…) zu berücksichtigen.
Außerdem ist dem Headhunter an einer erfolgreichen Integration des Teams in das neue Unternehmen gelegen. Hierfür benötigt der Headhunter z.B. ein besonderes Gespür für das Zusammenpassen der Firmenkulturen von aufnehmendem und abgebendem Unternehmen.

Welchen Stellenwert hat das Team Hunting bei der Besetzung von offenen Stellen bereits heute und welchen Stellenwert wird es Ihrer Meinung nach in den kommenden drei bis fünf Jahren erlangen?
Wie bei vielen anderen Entwicklungen auch, ist die USA Vorreiter beim Einsatz des „Team Hunting“, welches dort auch als „Lift-out“ bezeichnet wird. In Deutschland kommt das Team Hunting durchaus zum Einsatz, ist aber bisher eher als eine „Nischen-Dienstleistung“ zu betrachten, die keinesfalls zum etablierten Standardangebot einer jeden Personalberatung gehört.
Mit zunehmendem Fachkräftemangel, in manchen Branchen immer spezialisierteren Know How Anforderungen und steigendem Konkurrenzdruck wird sich das Team-Hunting in den nächsten Jahren sicher als Investment in die Zukunft weiter ausbreiten. Welchen Stellenwert diese Form der Personalbeschaffung allerdings erlangen wird, wird auch von den Erfahrungen abhängen, die die einzelnen Unternehmen hiermit machen, denn auch die Nachteile dieser Beschaffungsstrategie werden erst bei zunehmendem Einsatz vermehrt zum Tragen kommen.

Für welche Branchen ist das Team Hunting bei der Findung von passenden Bewerbern geeignet?
Bei Finanzdienstleistern und Anwälten ist dieses Vorgehen schon länger üblich. „In der IT-Beratung, im Management und im Vertrieb funktioniere das Geschäftsmodell Team-Hunting besonders gut.“, gibt Jörg Schneider, Geschäftsführer der Personalberatung Profcon in einem Artikel der Computerwoche 6/13 an.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich diese Art der Personalbeschaffung insbesondere für Bereiche, in denen hochqualifizierte Teams mit spezifischen Fachwissen eingesetzt sind, eignet.

Angenommen, zwei bis drei gut qualifizierte und sich gut verstehende Kollegen sind auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Sollten sich die Kollegen aktiv als Team bei einem Headhunter bewerben? Wenn ja, wie sähe hier das weitere Vorgehen eines Headhunters aus?
Als Team verstehen sich im Zusammenhang mit „Team Hunting“ in der Regel eine Führungskraft mit einer zusätzlich zu vermittelnden Gruppe von 5-10 + Spezialisten, wobei der zentrale Ansprechpartner hierbei zunächst die Führungskraft ist.
Möchten sich 2-3 Kollegen gern gemeinsam vermitteln lassen, so gibt es sicher in einzelnen Fällen Ausschreibungen von Unternehmen, bei denen in einer Abteilung ein entsprechender Bedarf besteht. Allerdings wird hier jeder potentielle neue Mitarbeiter zunächst als Einzelperson betrachtet (dies gilt allerdings auch für das Team Hunting) und auf seine Qualifikation hin überprüft. In der hier genannten Konstellation würde ich eine „Teambewerbung“ eher als hinderlich einstufen. Handelt es sich um ein größeres Team, welches über ein Spezialwissen in einem bestimmten Marktsegment verfügt, so würde ich die Ansprache eines Headhunters empfehlen, der über fundierte Erfahrungen über diese Art der Personalvermittlung verfügt und der dann mit dem interessierten Team gemeinsam eine weitere Vorgehensweise abstimmen würde.

Wie können Unternehmen, die auf der Suche nach einem neuen Team sind, einen passenden Headhunter finden? Was sollte das Unternehmen bei der Suche besonders beachten?
Für die Auswahl eines Headhunters für diese spezielle Art der Personalbeschaffung gelten grundsätzlich dieselben Regeln, wie für die generelle Auswahl eines Headhunters, über die ich in diesem Blog in meinem Gastbeitrag “Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl eines Headhunters / Personalberaters besonderen Wert legen?“ bereits berichtet habe. Als besonders wichtiges zusätzliches Kriterium könnte hierbei die „Affinität einer Personalberatung sich neuen Trends anzuschließen“ gelten, die man z.B. dem Webauftritt entnehmen kann.

Ebenfalls etwaige Erfahrungen mit der Beschaffung von ganzen Teams können positiv bewertet werden.

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