Schlechte Führung ist das zweitgrößte Hindernis auf dem Weg zum Unternehmenserfolg. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von SCOPAR – Scientific Consulting Partners aus München, in der über 100 Teilnehmer (Führungskräfte, Mitarbeiter, Wissenschaftler und Berater) aus unterschiedlichen Unternehmen befragt wurden. Ausgangspunkt der Studie war die Frage, welches die wesentlichen Business-Killer sind, also interne Gründe, die den Erfolg des eigenen Unternehmens bremsen. Aus über 250 Einzelnennungen wurden folgende 10 Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg eines Unternehmens identifiziert:
- Vision und Strategie
- Leadership
- Kommunikation
- Organisation
- Veränderung
- Priorisierung
- Kompetenz
- IT
- Informationsfluss
- Kunden und Wettbewerb
Schlechte Führung ist das zweit häufigste Hindernis auf dem Weg zum Erfolg eines Unternehmens. Aber warum?
Wichtige Signale und Impulse von Mitarbeitern werden überhört oder, bewusst unterdrückt
Oft werden in Unternehmen wichtige Signale und Impulse von Mitarbeitern, die oft nahe am Markt sind, überhört oder, noch schlimmer, bewusst unterdrückt. Gerade neue Mitarbeiter können wichtige Hinweise auf Veränderungspotenziale und sich verändernde Umgebungsvariablen geben. Man versucht, mit immer denselben Prozessen, Abläufen, Ideen, etc. noch mehr Erfolg zu generieren. Führt diese Strategie nicht zum Erfolg, wird das Alte überarbeitet oder in höherer Dosierung angewendet, statt über das Ausprobieren von etwas neuem nachzudenken. Alte Lösungen passen nicht zu neuen Problemen und Herausforderungen. Es gilt wohl vielerorts noch das HIPPO-Syndrom (highest paid persons opinion), anstatt auf die eigenen Mitarbeiter zu hören und damit den Finger am Puls der Zeit zu haben.
Schlechter Kommunikation, Machterhalt, Problem- statt Lösungsorientierung und Bequemlichkeit
Worin liegen die Ursachen für mangelndes Leadership bzw. fehlende Managementqualität und -kompetenz? Die Nennungen in der SCOPAR-Studie gehen von schlechter Kommunikation, Machterhalt (ist oft wichtiger als Ergebnis!), Problem- statt Lösungsorientierung bis hin zu einfacher Bequemlichkeit. Keine bzw. zu wenig ausgeprägte wirksame Führung und Monitoring, ungenügende Integration bzw. Akzeptanz, Abgehobensein vom Rest der Company bis hin zu zuviel Emotionen, zu viel persönlichen Animositäten und zu wenig konsequentes Handeln. Wenn man sich die Liste ansieht, muss man feststellen: keine Handlungsweise ist absurd genug, um sie nicht doch anzuwenden.
Fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter
Auffällig ist zudem die oft fehlende Wertschätzung und Motivation von Mitarbeitern. Dies führt zu nörgelnden und zutiefst unzufriedenen Mitarbeitern. Diese übertragen ihren Unmut auf Kolleginnen und Kollegen oft unbewusst. Die Mitarbeiter sind nicht mit 100 % bei der Arbeit bzw. bei der Sache, wenn sie eigentlich lieber etwas anderes oder das, was sie tun, anders tun würden. Die wenigsten Firmen schaffen es laut SCOPAR, Mitarbeiter wirklich zu begeistern, so dass sie alles geben. Die Folgen sind innere Kündigung, Fluktuation und die Tatsache, dass viele Burn-Outs eher Bore-Outs sind.
Too much information about nothing
Ob die Hauptursache im Peter-Prinzip liegt, demzufolge jeder bis zu der Stufe aufsteigt, die eine Stufe über seiner Kompetenz ist, ist unklar. Einige Ursachen liegen jedoch ganz einfach bei der Überlastung des Topmanagements. Die Nicht-Erreichbarkeit von wichtigen Entscheidungsträgern und die damit verbundenen langen Organisationswege, bis alle Beteiligten zusammen kommen, tun das ihre, um die Situation zu verschärfen. Dazu kommt ein viel zu häufiger Wechsel im Management wenn es nicht läuft, wird ausgewechselt. Langfristige Bindungen und Richtungen können sich so nicht etablieren man macht weiter, wie immer. Die alte Managementqualifikation hält oft den zukünftigen, komplexen Anforderungen nicht stand. Auch die Auswirkungen der Nichtbeachtung bzw. das Fehlen einer konsistent gelebten und gepflegten Unternehmenskultur wird meist völlig unterschätzt. Schwache Führungskräfte, Too much information about nothing, die Produktion von Papier und nicht von Ergebnissen hat fatale Folgen: Demotivation der Mitarbeiter, mangelndes Vertrauen, fehlende Offenheit, ein schlechtes Betriebsklima und damit mangelnder Erfolg bis hin zum völligen Versagen der gesamten Organisation.
Führen = Kontrollwahn
Führung heißt auch loslassen. In vielen Unternehmen ist führen laut SCOPAR Führung gleichzusetzen mit Kontrollwahn. So kann sich das Unternehmen immer nur in der Geschwindigkeit der Führungskraft entwickeln. Führung heißt aber auch, Flexibilität in der Führung zuzulassen und je nach Bedarf des Mitarbeiters individuell zu führen.
Handlungsempfehlungen
Die SCOPAR – Scientific Consulting Partners gibt abschließend Unternehmen folgende drei Handlungsempfehlungen mit auf dem Weg:
- Neue Weg gehen und dabei im partizipativen, offenen Dialog über alle Ebenen das Wissen und die Stimmung der Mitarbeiter einfließen lassen
- Empathie schärfen und auf die Kommunikation achten
- Delegieren statt Klammern und Coachen statt dirigieren
Hier finden Sie die komplette Studie von SCOPAR. (PDF)


Kommentare
Ich finde den Artikel sehr interessant. Kaum eine/r führt heutzutage wirklich, da viele nämlich, gar nicht wissen, was “Führung” wirklich bedeutet. Allerdings ist es sehr wichtig, wenn man sich in einer Führungsposition befindet, Einfluss zu nehmen, um die Unternehmensziele effektiv zu erreichen. In dem Unternehmen COATRAIN GmbH wurde dazu z.B. ein Training entwickelt, um zu lernen wie man die Führungsarbeit aufbaut. Die Teilnehmer erwartet dabei ein praxisnahes, in dem die eigenen Erfahrungen reflektiert und Lösungen für den Arbeitsalltag erarbeitet werden.
Nur zu empfehlen! Wer Interesse hat: http://www.coatrain.de/ausbildung/seminare/fuehrungskraeftetraining-619.html
Der Spruch ” Der Fisch stinkt am Kopf zuerst” ist schon uralt, da brauche ich die Studie von Scopa nicht um das zu wissen.
Gruß
Jürgen
Dieser Artikel liest sich wie ein Bericht darüber, was in meiner ehemaligen Firma alles falsch gelaufen ist.
Wenn ich nicht schon längst damit abgeschlossen hätte, würde ich den gerne mal ausdrucken und hin schicken. Vielleicht öffnen gewisse Herren dann mal die Augen…
Eine schöne Studie, was Unternehmen heute vielfach ausbremst. Diese Ergebnisse kann ich als Unternehmensberater und Systemischer Coach unterstreichen – gerade in vielen mittelständischen Unternehmen. Aus vielen Coachings im Unternehmen aber auch aus der Praxis weiß ich, dass Lösungsorientierung, gepaart mit Wertschätzung im Unternehmen sehr viel bewgen können. Eine Strategieentwicklung auf dieser Basis ist oft der Garant dafür, dass die Vision Realität wird.
Herzliche Grüße aus Köln
Bernd Slaghuis
Naja, mal ehrlich, woher sollen auch die idealen Vorgesetzten kommen. Das ist genauso wie in den Parteien. Es kommen nur noch die Leute nach oben, die keine eigene Persönlichkeit mehr haben. Die immer ihr Fähnchen nach den Wind gerichtet haben. Und, wenn im Unternehmen Sturm aufkommt, dann erleiden die Meisten Schiffbruch.
Wenn ich mich recht erinnere hat das schon Peter Drucker gesagt. Kann mich an die genauen Worte nicht mehr erinnern aber er sagte das “Manager ihre Angestellten oft eher von der Arbeit abhalten”. Ich war auch schon mal in der Situation wo ich vom Vorgesetzten pro-Argumente für eine bereits gefällte schlechte Entscheidung finden sollte. Musste da leider sagen das eigentlich alle Argumente dagegen sprechen … hat aber natürlich nichts gebracht.
Gute FÜhrung liest sich auf dem Papier immer sehr leicht und einfach. Aber gerade im Tagesgeschäft muss ich mich persönlich auch immer an diese Kriterien erinnern, da man doch oft dazu übergeht, etwas anders zu agieren…
Das Problem einer mangelnden Führung kann vielerlei Gründe haben, ich denke aber auch, dass die oben genannten Punkt sehr häufig einen Grund dafür darstellen. Es mangelt vor allem Geschäftsleitenden Personen an eine effektive Kommunikation auf Geschäftsebene. Häufig fällt einfach eine gewisse Vorbereitung an die zukünftige Stelle als “Chef”.
Vielen Dank für den gut geschriebenen Artikel!
Ich kann den oben genannten Punkten nur zustimmen.
In manchen Fällen wäre es bei dem ein oder anderen Vorgesetzten effektiver ein Seminar zum Thema Führung zu besuchen.
In solch einer Schulung werden durch einem Dozenten Führungsaufgaben und Instrumente für deren Umsetzung im beruflichen Alltag näher gebracht.
Anschließend ist man in der Lage, seine Mitarbeitern klare Richtlinien vorzugeben und Entscheidungen konsequent durchzusetzen. Außerdem verhilft das Seminar dazu, die persönlichen Führungsqualitäten zu optimieren und professionalisieren.
Denn der Erfolg eines Unternehmens sollte doch nicht an einer mangelnden Führung scheitern…
Sehr guter Artikel. Als Dozent von Existenzgründerseminaren kann ich die hier benannten Probleme des “Nichtt-gehört-Werdens” von Mitarbeitern nur bestätigen. Das hauptproblem dabei scheint mir oft, dass die Chefs nicht ausreichend im “Zuhören geschult” sind. Sie sind es gewohnt, zügig Entscheidungen zu fällen, da springen einige Chefs eben nicht über ihren Schatten und geben ihren Angestellten das Wort!