In Krisenzeiten kommt der Qualität der Mitarbeiterführung besonders hohe Bedeutung zu. Eine branchenübergreifenden Befragung des SKOPOS Instituts für Markt- und Kommunikationsforschung zeigt, dass mangelnde Mitarbeiterfürsorge und unzureichende Kommunikation in den Unternehmen zu Verunsicherung und Motivationsverlusten bei den Mitarbeitern führt und die Krisensituation noch weiter verschärft.
In Krisenzeiten gelingt es der Unternehmensführung lediglich 21% der Befragten zu motivieren. Bei 63% lässt die Handlungsweise der Unternehmensführung die Motivation sogar sinken oder führt gar zur Resignation. 74% der Arbeitnehmer haben das Gefühl, von der Unternehmensleitung nicht als gewinnbringendes Kapital, sondern als Ballast gesehen zu werden. Sie sind der Ansicht, dass ihr Einsatz und ihre Kompetenz bei der Krisenbewältigung von der Unternehmensführung nicht ausreichend gesehen werden.
Insbesondere die interne Kommunikation wird von den Befragten kritisch beurteilt. Über die Hälfte der Arbeitnehmer (55%) fühlt sich nur unzureichend über die Auswirkungen der Krise auf das eigene Unternehmen informiert. 63% der Befragten haben nicht den Eindruck, dass die Unternehmensführung in der Lage ist, ein tragfähiges Zukunftskonzept zu entwickeln. Im Gegenteil: Mehr als 70% der Befragten sind davon überzeugt, dass die Unternehmensführung keine Lösungsansätze oder Maßnahmen zur Bewältigung der Krise entwirft.
Aufgrund der erlebten mangelnden Wertschätzung und der unzureichenden Informationspolitik fühlen sich rund ein Drittel der Arbeitnehmer (35%) mit ihren Sorgen und Ängste allein gelassen. Sie haben das Gefühl, dass die Unternehmensführung darauf nicht eingeht. Die solchermaßen als unsicher erlebte Situation begünstigt vielfältige Mutmaßungen über die weitere Unternehmensentwicklung. Im Gespräch darüber verbrauchen die Arbeitnehmer sowohl Arbeitszeit als auch Energie. Zudem führt dies dazu, dass sich die Leistungsträger im Unternehmen nach alternativen, augenscheinlich sichereren und zukunftsreicheren Arbeitsplätzen Ausschau halten.


Kommentare
Meine Erfahrungen in Unternehmen sehe in der Untersuchung bestätigt. In Krisenzeiten zeigt sich die Qualität bzw. die fehlende. Die meisten Manager sind ängstlich, ideenlos und beschäftigen sich mit sich selbst, ihrem Überleben, oder ihrem Fortkommen.
Und viele haben einfach Persönlichkeitsdefizite. Neurotische Menschen machen überdurchschnittlich häufiger Karriere als andere.
Wir sind eine Versicherungskultur in den meisten Fällen. Gespart wird in Krisenzeiten (Lob, Geld, Aufmerksamkeit) und geprahlt in guten Zeiten. Der tatsächlich ausgeübte Einfluss ist gering bis schlecht.
Die Probleme werden zunehmen, das Klima schlechter und härter, die Loyalität geringer werden. Die meisten sind sich selbst der nächste.
Wirtschaftliche Krisen schweben gleichsam als Damoklesschwert über dem Erwerbsleben. Sie bedrohen zwei wichtige Existenzpfeiler der Berufstätigen: Die wirtschaftliche Grundlage und die gesellschaftliche Identität, die Sinn, Anerkennung und Orientierung spendet.
Führung in Krisenzeiten ist daran zu messen, inwieweit es gelingt, mit dieser doppelten existenziellen Bedrohung umzugehen.
In einem Artikel für “Die Bank” beschreibe ich, wie sich Krisen auf Mitarbeiterbindung, Gerechtigkeitsempfinden und Leistungsbereitschaft auswirken und welche Führungsmaximen Mitarbeiter auch unter schwierigen Bedingungen motivieren.
Unter folgendem Link können Sie diesen Artikel aus “Die Bank” oder eine kürzere Fassung aus der Süddeutschen Zeitung herunterladen. http://www.efficientia-consulting.de/index.php?News