Vertrauen in seine Mitarbeiter schließt die Kontrolle ihrer Arbeit nicht aus. So Fredmund Malik in seinem meiner Meinung nach sehr empfehlenswerten Buch “Führen, Leisten, Leben: Wirksames Management für eine neue Zeit“. Nachfolgend einige seiner Empfehlungen zum Thema Vertrauen vs. Kontrolle.
Um einem Mitarbeiter das Vertrauen schenken zu können, ist es seitens der Führungskraft ratsam zu kontrollieren, nachzuschauen, nachzufragen und somit sicherzustellen, dass das Vertrauen nicht missbraucht wird.
Beim Kontrollieren ist es wichtig, dass nur das Notwendigste kontrolliert und das nicht der Fehler gemacht wird, zu viel und alles zu kontrollieren. Malik rät daher, auf das Wissen aus der Statistik und der Wahrscheinlichkeitsberechnung zurückzugreifen und die Kontrollen anhand von stichprobenartigen Kontrollen durchzuführen. Er verdeutlicht dies anhand von zu kontrollierenden Spesenabrechnungen der Mitarbeiter. „Eine richtig gezogene Stichprobe von vielleicht 5 Prozent der Spesen, die sehr genau und vollständig geprüft werden, führt zu einer praktisch ausreichend hohen Wahrscheinlichkeit, dass kein Spesenmissbrauch betrieben wird“.
Neben der stichpunktartigen Kontrolle muss die Kontrolle auch auf die einzelnen Mitarbeiter bezogen sein. Je nachdem wie lange eine Führungskraft einen Mitarbeiter bereits kennt, welche Erfahrungen die Führungskraft mit ihm gemacht hat und wie lange der Mitarbeiter schon im Unternehmen ist, muss die Art und der Umfang der Kontrolle unterschiedlich ausfallen. Einen Mitarbeiter ständig zu kontrollieren, den man schon seit Jahren kennt, der sich noch nie etwas zuschulden kommen ließ und sich immer korrekt und zuverlässig verhalten hat, ist laut Malik nicht angemessen und kann seitens des Mitarbeiters schnell zu Misstrauen und somit zu einem Rückgang der Arbeitsleistung und -qualität führen. Die Kontrolle von Mitarbeitern, die dagegen noch nicht so lange im Unternehmen sind und sich erst bewähren müssen, ist dagegen ausbildend und dient als Basis zum Aufbau von Vertrauen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Führungskraft die Kontrollen nutzt, um den Mitarbeitern wertvolles Feedback zur Verbesserung zu geben.
Mein Fazit zum Thema Vertrauen vs. Kontrolle:
Vertrauen und angemessene Kontrolle eines Mitarbeiters sind ein wichtigter Bestandteil des Gesamtpaketes Mitarbeiterführung, wie bereits Malik treffend beschrieben hat. Sicherlich gibt es Tätigkeiten und Situationen, die mehr kontrolliert werden müssen. Aber: Eine zu große oder unangemessene zwanghafte Kontrolle löst auf Seiten der Mitarbeiter nur Misstrauen und die damit verbundenen negativen Emotionen wie Angst, Wut und Enttäuschung aus, was eine Abteilung oder gar das gesamte Unternehmen lähmen kann. Stattdessen sollte eine Führungskraft die Zeit lieber darin investieren, um beispielweise ein produktives Umfeld für die Mitarbeiter zu schaffen, damit diese durch ihre Ideen und ihren Einsatz die Zukunft des Unternehmens sichern.


Kommentare
Die kleinkarierten Kontrolletis haben (hoffentlich) schon lange ausgedient. Sie sorgen ausschließlich für Unmut, Demotivation und verstellen den Blick auf die eigentlichen Unternhmensziele.
Dagegen schafft entgegengebrachtes Vertrauen motivierte, solidarische und leistungsbereite Mitarbeiter.
Insofern kann man das hier gezogene Fazit nur unterstreichen und auf eine kurze Formel bringen:
Nur so wenig Kontrolle wie nötig und soviel Vertrauen wie möglich.
Wie das Sprichwort sagt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich selbst halte es allerdings recht locker. Solange nichts schief geht vertrau ich den Mitarbeitern auch. Und wenn kann man immer noch das Ganze etwas verschärfen. Von vornherein zu streng aufzutreten führt aber oft zu Unproduktivität.
Ich sehe das genauso wie Sebastian.
Wenn die Mitarbeiter gleich von Anfang an zu stark kontrolliert werden, fühlen Sie sich in gewisser Form herrausgefordert. Sicher ist es verkehrt alle schalten und walten zu lassen wie sie wollen, aber permanente Kontrolle verschafft nur Distanz zwischen Mitarbeitern und Chef und es entstehen SPannungen, die vielleicht so hätten gar nicht sein müssen.
Fredmund Malik spricht es auf seine Art und Weise an: Vertrauensarbeitszeit mit Kontrolle in Einklang zu bringen ist gutes und richtiges Management. Eine Studie belegt, das 73% aller Mitarbeiter mit Vertrauensarbeitszeit länger als die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit für ihren Arbeitgeber arbeiten. Kontrolle kann hier auch bedeuten, dass sich der Mitarbeiter selbst kontrolliert, ob er möglicherweise am Donnerstag Nachmittag seine Vollzeitwoche bereits erledigt hat und nach Hause gehen kann. In sein verdientes, verlängertes Vertrauensarbeitszeitwochenende.