Die beiden Forscher der Utrechter Universität Hans Ijzerman und Gün R.Semin konnten belegen, dass redensartliche Wendungen wie “menschliche Wärme ausstrahlen” oder “jemandem die kalte Schulter zeigen” durchaus mehr als nur Metaphern sind. Temperaturen können die empfundene Wärme zu anderen Personen beeinflussen.
In drei Experimenten wurden jeweils konträre Temperaturverhältnisse (warm- kalt) geschaffen, indem warme oder kalte Getränke ausgehändigt wurden (Experiment eins) oder eine angenehm warme oder kalte Raumbedingung geschaffen wurde (Experiment zwei und drei).
Im Fall der Heiß-/Kaltgetränke sollten die an der Studie teilnehmenden Studenten die empfundene soziale Nähe zwischen ihnen selbst und einer Person ihrer Wahl aus ihrem Bekanntenkreis einschätzen. Die Studenten, welche ein warmes Getränk hielten, empfanden sich ihren Bekannten wesentlich näher, als die mit dem Kaltgetränk. Unbeantwortet bleibt hier, ob die Wärme des Getränks dazu führte, dass sie sich anderen Personen generell näher fühlten oder diese Personen ausgewählt wurden, weil sie sich ihnen schon sehr verbunden fühlten.
Festzuhalten bleibt, warme Temperaturen wirken sich günstig auf soziale Beziehungen aus.
Im Experiment mit den unterschiedlichen Raumtemperaturen wurde die Auswirkung der Temperaturen auf die soziale untersucht. Wie vorangegangene Studien zeigten den Zusammenhang zwischen Ausdrucksweise und empfundener Nähe zu einer Person: Je größer die sozial empfundene Nähe, desto weniger abstrakt und verallgemeinernd ist die Sprache, sie gewinnt an Konkretisierung.
In diesem Fall wurde Studenten eine soziale Situation durch Schachfiguren in einem kurzen Filmausschnitt präsentiert, jeweils in einem kalten oder angenehm temperierten Raum. Das Resultat entsprach der Studie: Der im kalten Versuchslabor gezeigte Filmausschnitt wurde verallgemeinernd und mit abstrakten Begriffen beschrieben. Die Studenten im warmen Raum wählten eine konkrete Sprache und empfanden zu dem ihnen fremden Versuchsleiter eine soziale Nähe.
Welchen Nutzen kann man daraus ziehen?
Unsere (Sinnes-)Erfahrungen sind also mitentscheidend für soziale Nähe und Kommunikation, sie bestimmen mit, ob die Grundlage für eine gute, offene Kommunikation mit einer gewissen Sympathie für eine andere Person gegeben ist. Durch warme Temperaturen wird sogar eine fremde Person als sozial nah empfunden. Dieses Wissen sollte man sich zu Nutze machen, zum Beispiel bei wichtigen Konferenzen, Verhandlungen, Bewerbungs- oder Verkaufsgesprächen, in dem man stets für eine angenehme Raumtemperatur und warme Getränke sorgt.
Quellen: www3.interscience.wiley.com / www.forschung-erleben.uni-mannheim.de


Kommentare
Interessantes Experiment. Nehmen wir einmal an, ich möchte eine attraktive Frau näher kennenlernen. Dann sollte ich statt Alkohol lieber einen heißen Kakao spendieren
. Insofern wäre es interessant gewesen, die Wirkung von Alkohol gleich mit zu untersuchen. Nehme ich besser Glühwein oder ein kaltes Bier? Aber jetzt mal im Ernst. Es gibt viele Experimente, die zeigen, wie wir aus physikalischen Umfeldbedingungen heraus entstandene Gefühle anschließend rationalisieren.
Beispiel: Man ließ Männer über eine schmale Hängebrücke über einen Abgrund gehen. Anschließend wurde der selbstempfundene Angstlevel erfragt. In einer zweiten Gruppe wurde die Teilnehmer zuvor von einer hübschen jungen Frau instruiert. Ich lasse jeden mal raten wie der empfundene Adrenalinausstoß aufgrund der Aufregung unterschiedlich eingeordnet wurde.