Warum Führungskräfte ihren Mitarbeitern vertrauen sollten

Das gegenseitige Vertrauen zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeitern wird zukünftig bei der Führung von Mitarbeitern eine immer größere Bedeutung spielen, da sich Führungskräfte und in einem gewissen Umfang auch deren Mitarbeiter an veränderten und sich ständig weiter ändernden Bedingungen anpassen müssen, um wirtschaftlich rentable Ergebnisse zu erlangen. Nachfolgend vier Grunde, warum Führungskräfte ihren Mitarbeitern vertrauen sollten:

1. Veränderter Stellenwert der Arbeit

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Stellenwert der Arbeit im Leben eines Menschen kontinuierlich abgenommen. Nur noch wenige sehen ihren Beruf als Sinn des Lebens an. Stattdessen gewannen private Aspekte und Ziele wie Freizeit, Familie und Hobbys immer mehr an Bedeutung. Werte wie Selbstverwirklichung, persönliches Wachstum oder Lebensqualität, die vor Jahren noch kaum denkbar waren, sind heute im Leben vieler eine Selbstverständlichkeit. Und das gilt nicht nur im Privatleben. Auch im Berufsleben wollen sich Mitarbeiter entfalten, verwirklichen und als mündige Partner behandelt werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn seitens der Führungskräfte den Mitarbeiter das dazu benötigte Vertrauen entgegengebracht wird.

2. Veränderte Rahmenbedingungen

Neben dem Stellenwert der Arbeit bei den Mitarbeitern haben sich auch die wirtschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen immer weiter verändert. Die rasante Entwicklung neuer Technologien und Verfahren der vergangenen Jahre hat neue Berufsbilder, neue Arten des Lernens sowie neue Arbeitsmethoden hervorgebracht. Fachwissen veraltert immer schneller und kaum eine Führungskraft ist in der Lage, alle Details in seinem Zuständigkeitsbereich zu kennen oder sie zu beherrschen. Um gesetzte Ziele zu erreichen oder um Probleme lösen zu können, sind Führungskräfte im hohen Maß auf das Fachwissen Ihrer Mitarbeiter und auf deren guten Willen angewiesen.

Neben dem technologischen Fortschritt wird auch der demografische Wandel und der damit verbundene Mangel an Fachkräften in deutschen Unternehmen eine immer bedeutendere Rolle spielen. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Jahre 2008 wird der Fachkräftemangel in Deutschland bis zum Jahre 2020 dramatisch ansteigen. Die Forscher gehen davon aus, dass der deutschen Wirtschaft im Jahr 2020 rund 230.000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker fehlen werden. Dieser Mangel an Fachkräften verursacht pro Jahr einen Wertschöpfungsverlust von gut 28 Milliarden Euro . Es liegt nahe, dass sich aufgrund der Knappheit qualifizierte Mitarbeiter zukünftig ihren Arbeitgeber nicht nur anhand von Karrierechancen und anhand des Gehaltes aussuchen, sondern auch dahin gehend, wie sie mit den Führungskräften des Unternehmens zusammenarbeiten können. Sprenger behauptend in einem Artikel passend: “Menschen kommen zu Unternehmen, aber sie verlassen Vorgesetzte” .

Das Vertrauen im Unternehmen für Bewerber und Mitarbeiter bei der Wahl ihres Arbeitgebers immer wichtiger wird, belegt auch eine im Jahre 2008 von TNS Emnid im Auftrag der BDO Deutsche Warentreuhand AG durchgeführten Studie, bei der stichprobenartig Mitarbeiter aus börsennotierten und mittelständischen Unternehmen befragt wurden. 53,00 Prozent der Befragten hielten Vertrauen für einen sehr wichtigen Faktor, um Unternehmen für Mitarbeiter attraktiv zu sein. Weitere 40,00 Prozent hielten dies für wichtig .

3. Wachsende Führungsaufgaben und -bereiche

Die sich veränderten Rahmenbedingungen brachten in vielen Unternehmen kostenreduzierende Maßnahmen in Form von Stellenabbau oder die Verflachung der Hierarchiestufen hervor. Das führte dazu, dass Führungskräfte heutzutage oftmals für eine immer größere Anzahl von Mitarbeitern und Zuständigkeitsbereiche verantwortlich sind.

Führungskräfte können nicht mehr allen Mitarbeitern die gleiche intensive Aufmerksamkeit widmen wie früher. Dies hat zur Folge, dass Führungskräfte heutzutage ihren Zeitaufwand für Anweisungen und Kontrollen reduzieren und immer mehr auf die Zuverlässigkeit ihrer Mitarbeiter vertrauen müssen .

Laut dem Managementautor Hartmut Laufer (aus dem Buch: Vertrauen und Führung: Vertrauen als Schlüssel zum Führungserfolg) profitiert die Führungskraft  von dem Vertrauen in ihre Mitarbeiter in mehrfacher Sicht: Zum einen wird sie entlastet und kann sich auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren, zum anderen fördert sie die Entwicklung ihrer Mitarbeiter, da diese unternehmerisch denken und selbstständig handeln müssen .

4. Misstrauen seitens der Bevölkerung

Aufbauend auf die oben beschriebenen Veränderungen und die dadurch hervorgehenden mehr oder weniger berechtigten Massenentlassungen und sonstigen Skandalen, genießen Deutsche Unternehmen und ganz besonders deren Führungskräfte in der Öffentlichkeit keinen guten Vertrauenstand. Dies zeigt unter anderem der jährlich ermittelte GfK-Vertrauensindex, in denen deutsche Führungskräfte kontinuierlich seitens der deutschen Bevölkerung als nicht vertrauenswürdig eingestuft werden .

Um das Vertrauen der Gesellschaft und ihrer Mitarbeiter nicht ganz zu verlieren und um den sich ständig veränderten Rahmenbedingen wirtschaftlich rentabel anzupassen, müssen sich Führungskräfte der Bedeutung von Vertrauen und die negativen Folgen von Misstrauen bewusst sein.

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