Unternehmensexpansion ins Ausland – Mitarbeiterführung und Rekrutierung

Christian Arno, Gründer und Geschäftsführer des Lingo24Auch mittelständische Unternehmen haben heute oftmals die Möglichkeit, international zu expandieren. Möglicher Grund für solch eine Entscheidung kann die Erschließung des Marktes vor Ort für eigene Produkte sein. Andererseits können global agierende Unternehmen durch neue Standorte mit einer Produktion für internationale Märkte ihre Personalkosten reduzieren. Und bei einigen Branchen wie „Übersetzung“ oder „Grafik“ vergrößern virtuelle Netzwerke aus miteinander kooperierenden Spitzenkräften das Angebotsportfolio kostengünstig oder steigern die Qualität angebotener Leistungen. Doch es gilt, sich auf eine Expansion vorzubereiten, passendes Personal zu rekrutieren und zu führen und dabei kulturelle Unterschiede zwischen dem eigenen Herkunftsland und dem Zielland zu berücksichtigen. Ansonsten drohen schnell Konflikte, die das Erreichen von Unternehmenszielen ernsthaft gefährden.

Ungebrochene Expansionslust

Die Expansionslust von deutschen Unternehmern scheint ungebrochen zu sein, was mehrere Studien belegen.

  • In der Studie BDO “Ambition Survey 2010 – Global opportunities” der internationalen Gesellschaft für Wirtschaftsprüfung BDO wurden Unternehmensführer und -leiter aus zehn Ländern auf verschiedenen Kontinenten befragt. 24 Prozent der befragten deutschen Unternehmer gaben an, sie würden 2010 im Vergleich zu 2009 etwas stärker international expandieren. 32 Prozent der Unternehmer planten eine viel stärkere Expansion.
  • 2009 führte das Beratungsunternehmen Horváth & Partner eine im Jahr 2010 veröffentlichte Befragung von 111 Managern aus Unternehmen der Schweiz, Österreichs und Deutschlands zu Expansionsplänen durch: speziell bezogen auf Expansionen nach Mittel- und Osteuropa. 36 Prozent der Befragten hatten laut Studie vor, in den nächsten fünf Jahren einen weiteren Standort in Russland zu eröffnen, 24 Prozent zog es in die Ukraine, dreizehn Prozent jeweils nach Rumänien und in die Türkei. Drei Hauptgründe führten zu den Entscheidungen: erhoffter Marktzugang, die Nähe zu einem Großkunden und Kostenersparnis.

Die Zusammenarbeit mit ausländischen Arbeitnehmern vor Ort

Wer expandiert und insbesondere, wer vor Ort mit Arbeitskräften des Ziellandes zusammenarbeitet, tut gut daran, sich eingehend über Themen wie den Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Entwicklungen im jeweiligen Ziellands, das dort geltende Arbeitsrecht und Interkulturelle Kommunikation zu informieren, um die Gefahr von größeren Konflikten und Fehlexpansionen zu minimieren.

  • Arbeitsrecht: Für Unternehmer mit Expansionsplänen in Länder der europäischen Union ist beispielsweise die Auslandsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit eine wertvolle erste Informationsquelle (ba-auslandsvermittlung.de). Die Texte sind zwar für Arbeitnehmer geschrieben, geben aber auch expansionswilligen Unternehmern eine Orientierung. Experten für internationales Arbeitsrecht bietet beispielsweise die Seite BrainGuide.de.
  • Interkulturelle Kommunikation: Wer Arbeitskräfte aus einem fremden Land vor Ort rekrutiert, taucht in die Kultur des jeweiligen Landes ein. Sie komplett zu ignorieren und einfach in Deutschland erprobtes Verhalten zu übertragen, scheitert meistens. So kann etwa eine in Deutschland häufig geschätzte Direktheit der Kommunikation Menschen in anderen Ländern brüskieren. Nicht überall sind etwa das direkte „nein“ oder direkte Kritik gerne gesehen. In Japan wird so etwas beispielsweise oftmals gemieden: Kritik und Verneinungen werden indirekt geäußert und Direktheit stößt häufig auf Irritation. Das gilt insbesondere bei Mitarbeitern, die wenig internationale Erfahrungen vorweisen. Interkulturelle Kommunikation kann man lernen und man sollte es tun.

Expandierende Unternehmen sollten zumindest einen führenden Mitarbeiter oder eine führende Mitarbeiterin mit direktem Kontakt zur Chefetage sowie sprachlicher und interkultureller Kompetenz vor Ort im Zielland arbeiten lassen. Durch den direkten und regelmäßigen Kontakt mit dem Mitarbeiter (der Mitarbeiterin) erfährt die Unternehmensführung sofort von aufkeimenden Schwierigkeiten und kann frühzeitig gegensteuern.

Mitarbeitersuche für Auslandsfilialen

Die Moderne gibt Unternehmern eine ganze Reihe von Instrumenten zur Hand, um passendes Personal im Zielland der Expansion zu rekrutieren.

  • Onlinejobbörsen und Printmedien mit Stellenmarkt sind gute erste Anlaufstationen, wobei Unternehmer etwas Zeit in die Recherche passender Medien und Portale investieren sollten: nicht jedes Medium ist für jede Rekrutierung gleich gut geeignet.
  • Rekrutierungsmessen sind ein Instrument zur Rekrutierung hoch qualifizierter und studierter Arbeitskräfte und bringen oftmals Erfolge. In China waren etwa laut eines Artikels der Seite Asienspiegel.ch unter Berufung auf das Ministerium für Erziehung und Bildung in China am ersten Juli 2010 insgesamt 72,2 Prozent aller Hochschulabgängerinnen ohne Arbeit!
  • Für die Suche nach hoch qualifizierten Mitarbeitern kann sich auch die Inanspruchnahme von Diensten privater Rekrutierungsfirmen lohnen.

Internationale Belegschaft und virtuelle Netzwerke

Die Möglichkeit, eine internationale Belegschaft auf der Basis virtueller Netzwerke mit Tele-Arbeitsplätzen zusammenarbeiten zu lassen, ist nicht für jede Branche gegeben. Für diejenigen, für die es möglich ist, kann es entscheidende Vorteile bieten. Freie Mitarbeiter sind in der Regel kostengünstiger als Festangestellte. Zudem entstehen bei Heimarbeitsplätzen von Mitarbeitern auch keine Kosten für die Bereitstellung eines Arbeitsplatzes. Prädestiniert für solch eine internationale Kooperation sind beispielsweise Unternehmen aus der Übersetzungsbranche, die mit „native speakern“ in aller Welt zusammenarbeiten. Möglich ist eine virtuelle Zusammenarbeit aber auch in der Grafikbranche, wo Unternehmen weltweit von Zuhause arbeitende Top-Leute rekrutieren können. Erste Wahl für die Rekrutierung ist natürlich das Internet. Möglichkeiten der länderübergreifenden Kommunikation und Arbeit bieten etwa Mail, Workshare-Plattformen wie Google Docs oder Dropbox und Messenger-Systeme wie Skype.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer und Geschäftsführer des Lingo24, ein Unternehmen, das hochwertige professionelle Übersetzungen anbietet.

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